Umgestaltung Kaiserswerther Markt

Ein abgebrochener und auf den Mittelstreifen  gestürzter Ast bringt die seit Jahren geplante Umgestaltung des Kaiserswerther Markte in Erinnerung. Termine gibt es bekanntlich nicht und auch im städtischen Haushalt findet man (noch) keine Mittel dafür. Die alten und kranken verbliebenen Kastanienbäume warten auf eine neue Generation junger, gesunder Bäume, die Radler auf ein weniger holpriges Pflaster, Gehbehinderte und Senioren auf Barrierefreiheit, Ausflügler auf mehr Aufenthaltsqualität, auch wenn sie nicht in einem der Biergärten verweilen.  Motorisierte Kundschaft der durchweg attraktiven und vielseitigen Gastronomie und des Einzelhandels akzeptieren längst Parkplätze außerhalb der Festungswälle. Sie haben oft ohnehin den Eindruck, dass ihr Autoblech innerhalb der Wälle gar nicht erwünscht ist. Für das Kurzparken zahlen Sie mehr als in der Tiefgarage unter dem Klemensviertel.  Ab 20 Uhr und über das Wochenende ist das Parken ihrer „Blechkisten“ ganz verboten.  Nur noch parkplatzsuchenden Anwohnern haben dann die Erlaubnis zu einer Runde um die Mittelinsel des Kaiserswerther Marktes. Wenn die gefragten Parkplätze in der Altstadt zu diesen Zeiten dennoch nicht nur von Anwohnern mit entsprechenden Ausweisen beherrscht wird, mag das daran liegen, dass dem Personal der Weg in den hohen Düsseldorfer Norden zu weit ist.
Es ist dennoch wunderschön in Kaiserswerth und auch auf dem Kaiserswerther Markt. Irgendwie ist hier die Zeit stehen geblieben. Hier ist kein Geld für bröckelnde Plattierung verschwendet worden, hier stehen nicht einheitliche  Blumenkübel in strenger preußischer Ordnung, sondern individuell in rheinischer Freiheit.  Historische Bauwerke aus vielen Jahrhunderten erzählen die wechselvolle Geschichte der ehemaligen Reichsstadt. Neuerdings durch Bodenradar und Suchgräben entdeckte meterdicke Kulturschichten aus 800 Jahren Kaiserswerther Marktgeschichte lassen den darüber bummelnden Ausflügler fast eine Schauer über den Rücken laufen. Sind es“ Fußabdrücke“ und Hinterlassenschaften von Suitbertus, Mönchen, Stiftsherren, Königen und Kaisern, Barbarossa, Kölner Erzbischöfen und Kurfürsten, Soldaten, Treidlern, Händlern, Friedrich Spee, Caspar Ulenberg, Theodor Fliedner, Florence Nightingale? Auch Napoleon soll durch Kaiserswerth gekommen sein, als der 1811 von Duisburg nach Düsseldorf ritt. Unübersehbar sind jedenfalls tausende Tonnen Beton, die das „1000jährige Reich“ zurückgelassen hat, in denen heutzutage  auf der einen Seite Wohnungen und auf der anderen Seite des Marktes ein „Büdchen“  untergekommen sind.

Natürlich ist es angebracht, den Kaiserswerther Markt wie geplant und beschlossen endlich zeitgemäß umzugestalten. Er hat sich im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verändert. Liebenswert ist er aber so oder so.

SO

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